Jens Abraham erobert EM-Krone

TRIATHLON Altmärker feiert in Wiesbaden den größten Triumph seiner Laufbahn und löst das Ticket zur Weltmeisterschaft in den USA.

WIESBADEN - Er absolvierte 1990 als Student in Halle seinen ersten Triathlon. 20 Jahre später feierte Jens Abraham seinen größten Triumph. Der Dreikämpfer vom Tangermünder LV94 sorgte am vergangenen Sonntag für einen Paukenschlag. Der Altmärker eroberte in Wiesbaden den Europameistertitel, belegte den ersten Platz in seiner Altersklasse (M40) beim Sparkassen Finanzgruppe IRONMAN 70.3 European Championship und qualifizierte sich damit gleichzeitig für die Triathlon-Weltmeisterschaft am 13. November in Clearwater (Florida).

"Das ist einfach unglaublich. Ich kann es immer noch nicht fassen. Beim Zieleinlauf am Kurhaus habe ich die Ansage des Moderators der Veranstaltung, der mich als Sieger angekündigt hat, nur halb verstanden. Als ich meine Teilnehmerurkunde dann in der Hand hatte, war ich völlig perplex. Die Siegerehrung war einer der schönsten Augenblicke in meiner Laufbahn", erklärte der 43-jährige aus Möringen bei Stendal stammende Triathlet.

3300 Teilnehmer aus 42 Nationen wagten sich auf die Distanz über 1,9 Kilometer Schwimmen, 90 Kilometer Rad und 21,1 Kilometer Lauf, die genau der Hälfte des klassischen IRONMAN Distanz  entspricht. Dabei mussten die Sportler nicht nur dem kalten und regnerischen Wetter trotzen. Bereits in den Fluten des Rheins im Schiersteiner Hafen ging es beim Kampf um eine günstige Ausgangsposition knallhart zur Sache, obwohl in "Wellen" gestartet wurde. Während Abraham mit seinen 354 Altersklassen-Konkurrenten um 9.15 Uhr auf die Reise geschickt wurde, begannen die Profis bereits um acht Uhr, wobei sich mit dem Rostocker Michael Raelert der amtierende Weltmeister über diese Distanz in 4:03 Stunden durchsetzte.
Abraham (33:47 min Schwimmen, 2:44:11 h Rad, 1:31:00 h Lauf) benötigte nur knappe 46 Minuten mehr als der Champion und landete als Sieger seiner Altersklasse im Gesamtklassement auf dem 48. Platz.
"Mehr war nicht drin. Die Leistung hat gestimmt. Deswegen hätte ich mich auch über einen vierten Platz nicht geärgert", meinte der promovierte Landwirt, der vor allem mit der Auftaktdisziplin sehr zufrieden war. "Im Schwimmen habe ich meine größten Probleme und meine Form durch intensives Training in den letzten Wochen verbessert."

Auf dem selektiven Radkurs mit 1500 Höhenmetern durch den Taunus übernahm der Altmärker die Führung, die er nicht mehr abgab, obwohl er wegen der Kälte Probleme hatte, auf der Schlussabfahrt den Lenker fest zu halten. Beim abschließenden Halbmarathon spulte der EM-Champion die Kilometer auf der Laufstrecke jedoch wie ein Uhrwerk ab.
Den WM-Start in Florida will der Altmärker auf jeden Fall wahrnehmen.
"Dieses Erlebnis lasse ich mir nicht entgehen", sagte Abraham, der etwa 15 Stunden in der Woche trainiert und mit seinen Teamkollegen vom Tangermünder LV94 derzeit in der Landesliga auf dem zweiten Platz liegt.
Vielleicht kehrt der Vater zweier Kinder mit einer Medaille von seiner Reise über den großen Teich zurück. 


Jörg Gehne


Jens Abraham
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